Huawei treibt KI-Innovationen für Netzwerke und das "Agentverse" voran
Die Mobilfunkbranche steht an einem entscheidenden Übergang, geprägt durch die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI). Huawei positioniert sich als wichtiger Treiber dieser Transformation, indem das Unternehmen nicht nur den Mobilfunkstandard 5G zu 5G-Advanced (5G-A) weiterentwickelt, sondern auch KI umfassend in die Netzwerkinfrastruktur integriert. Ziel dieser Strategie ist es, die Leistungsfähigkeit globaler Mobilfunknetze massiv auszubauen und gänzlich neue Anwendungsbereiche zu erschließen, die weit über bisherige Datenübertragungsmodelle hinausgehen. Dieser Fokus auf intelligente, KI-gestützte Netzwerke soll die Grundlage für eine Ära schaffen, in der Billionen von intelligenten Agenten autonom agieren.
Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona stellte Huawei kürzlich seine umfassende Vision einer KI-getriebenen Zukunft vor. Die vorgestellten Innovationen reichen von der Optimierung bestehender 5G-Netze über die Einführung von 5G-Advanced bis hin zur Entwicklung zukunftsweisender digitaler Services. Diese Entwicklungen sind für Netzbetreiber von großer Bedeutung und versprechen Endverbrauchern weltweit verbesserte Konnektivität und innovative Dienste, gestützt auf ein intelligentes Netzwerk-Fundament.
Intelligente Netzwerke: Neue Architekturen für das "Agentverse"
Ein zentraler Baustein von Huaweis Vision ist die Etablierung des sogenannten "Agentverse". Dieser Begriff beschreibt ein neuartiges Ökosystem, in dem autonome KI-Programme (Agenten) eigenständig Aufgaben übernehmen und untereinander Daten austauschen, ohne dass ein menschlicher Nutzer jeden Schritt steuert. Da mobile KI aktuell bereits über 60 % der Online-Inhalte generiert, stoßen klassische Netzstrukturen an ihre Kapazitätsgrenzen. Huawei begegnet dieser Herausforderung mit einem Paradigmenwechsel in der Netzarchitektur, weg von asymmetrischen zu symmetrischen Hochbreitband-Modellen.
Bisherige Mobilfunknetze sind primär auf hohe Download-Raten optimiert. Für die Kommunikation zwischen KI-Agenten ist jedoch ein massiver, beidseitiger Datenaustausch erforderlich. Huawei prognostiziert bis zum Jahr 2030 Billionen von intelligenten Verbindungen, die eine konstante und deterministische Netzqualität voraussetzen. Hierfür wird eine dedizierte Infrastruktur benötigt, die für die massiven Datenströme der mobilen KI ausgelegt ist. Die GSMA hat, gemeinsam mit Huawei und weiteren Partnern, die GigaUplink-Netzwerkinitiative ins Leben gerufen, um den sogenannten „Uplink-Flaschenhals“ zu adressieren – ein kritisches Problem aktueller Netze, das eine garantierte Upload-Rate von 20 Mbit/s als Mindestanforderung für KI-Anwendungen definiert. Dies entspricht einer Verzehnfachung der durchschnittlichen Upload-Geschwindigkeit bestehender 5G-Netze.
AgenticCore: Das KI-gestützte Kernnetz als Gehirn der Kommunikation
Diese Notwendigkeit neuartiger Netzarchitekturen unterstreicht die Relevanz der von Huawei auf dem Agentic Core Summit präsentierten AgenticCore-Lösung. Diese Entwicklung zielt darauf ab, künstliche Intelligenz tief in das 5G-Kernnetz einzubetten und somit die Synergie zwischen Geräten und Diensten zu steigern. Das Kernnetz ist der zentrale Teil eines Mobilfunknetzes, verantwortlich für die Vermittlung von Gesprächen, die Authentifizierung von Nutzern und die Weiterleitung von Datenpaketen ins Internet. Das Konzept hinter dem Agentic Core sieht dieses als eine Art "zentrales Gehirn" vor, das eine Erlebnisanalyse in Echtzeit ermöglicht und Netzwerkressourcen bedarfsgerecht koordiniert. Huawei integriert die KI dabei direkt in das mobile Internet, die Telefonie sowie in die Telco-Cloud-Infrastruktur.
Die AgenticCore-Lösung umfasst mehrere spezifische Anwendungsbereiche, die den Netzbetrieb und die Nutzererfahrung transformieren sollen:
- AI Calling: Der Bereich Sprache wird neu definiert, um interaktive und durch KI optimierte Sprachdienste bereitzustellen.
- NOEMate: Dieser KI-Assistent im Bereich Operations & Maintenance (O&M) soll dabei helfen, die Stufe L4 der autonomen Netzwerke zu erreichen. Diese Stufe steht für hochautomatisierte Systeme mit geringem menschlichen Eingriff.
- AI-native Cloud: Die Telco Cloud unterstützt künftig GPU-Orchestrierung und generative KI-Workloads.
Für die Umsetzung dieser Vision arbeitet das Unternehmen im Rahmen der Agentic Core Action Initiative eng mit der Branchenvereinigung GSMA und verschiedenen Netzbetreibern zusammen. Technisch betrachtet markiert dieser Schritt den Übergang von rein reaktiven Netzen hin zu Systemen, die Ressourcen proaktiv verwalten. Während Wettbewerber wie Ericsson oder Nokia ebenfalls an Automatisierung arbeiten, setzt Huaweis Ansatz massiv auf die Orchestrierung von Rechenleistung für generative KI innerhalb der Netzbetreiber-Infrastruktur.
Marktpräsenz und Ausblick
In Europa hält Huawei bei 5G-Kernnetzen einen Marktanteil von 28 Prozent; im DACH-Raum liegt dieser Anteil bei etwa 22 Prozent. In Deutschland ist die Technik unter anderem in 40 Prozent der 5G-Core-Regionen der Deutschen Telekom verbaut, wobei Sicherheitsbedingungen den weiteren Ausbau regulieren. Aktuell befindet sich die AgenticCore-Lösung in einer Prototypen-Phase, während Investitionen in KI-gestützte Netze in der Region deutlich zunehmen.
Huaweis umfassende Strategie zur Integration von KI in die Mobilfunknetze, von 5G-Advanced bis zum AgenticCore, deutet auf eine grundlegende Neuausrichtung der digitalen Infrastruktur hin. Für Mobilfunkkunden könnte dies langfristig stabilere Verbindungen bei hoher Netzauslastung und eine Vielzahl neuartiger, intelligenter Dienste bedeuten. Die Transformation hin zum "Agentverse" verspricht eine Zukunft, in der Vernetzung und künstliche Intelligenz nahtlos ineinandergreifen, um die Interaktion mit der digitalen Welt grundlegend zu verändern.