Die von Panasonic entwickelte Kommunikationstechnologie Nessum hat einen bedeutenden Meilenstein in der internationalen Standardisierung erreicht. Das Institute of Electrical and Electronics Engineers Standards Association (IEEE SA) hat die Technik offiziell als Standard IEEE 1901-2026 anerkannt 1. Diese Zertifizierung bündelt mehrere vorangegangene Spezifikationen und schafft damit eine einheitliche Grundlage für die herstellerübergreifende Interoperabilität in industriellen Netzwerken.
💡 Gut zu wissen: Was ist Nessum?Nessum ist eine von Panasonic entwickelte Technologie zur Datenübertragung, die vorhandene Infrastrukturen wie Stromleitungen oder Metallrohre nutzt. Sie ermöglicht eine stabile Vernetzung ohne neue Verkabelung, selbst in schwierigen Umgebungen wie unter Wasser oder in stark abgeschirmten Industriegebäuden.
Technische Basis und Funktionsumfang
Der neue Standard IEEE 1901-2026 integriert drei wesentliche Entwicklungsschritte der vergangenen Jahre in einem einzigen Regelwerk. Er umfasst die Basisspezifikationen von IEEE 1901-2026, die erweiterten Authentifizierungsverfahren aus IEEE 1901b-2026 sowie die Medien-Erweiterungen von IEEE 1901c-2026 1. Durch diese Zusammenführung wird sichergestellt, dass Geräte verschiedener Generationen und Einsatzbereiche innerhalb eines Nessum-Netzwerks reibungslos miteinander kommunizieren können, was die Planungssicherheit für Systemintegratoren erhöht.
Ein zentrales Merkmal der Technologie ist der sogenannte „Any Media“-Ansatz, der eine Datenübertragung über nahezu jedes leitfähige Medium erlaubt. Dazu gehören klassische Stromleitungen, Koaxialkabel und Twisted-Pair-Leitungen ebenso wie die drahtlose Kommunikation oder die Übertragung unter Wasser 2. In der Praxis bedeutet dies, dass Unternehmen bestehende Kabelinfrastrukturen für moderne IP-Anwendungen nutzen können, ohne teure Glasfaser- oder Ethernet-Kabel neu verlegen zu müssen.
Einsatzgebiete und Marktdurchdringung
Die Relevanz der Technologie zeigt sich bereits in der industriellen Anwendung, wo Panasonic nach eigenen Angaben weltweit über 6 Millionen LSI-Geräte (Large Scale Integration, hochintegrierte Schaltkreise) mit Nessum-IP-Core ausgeliefert hat 2. Die Einsatzbereiche erstrecken sich von der Gebäudeautomation über Klimatisierungssysteme (HVAC) bis hin zu komplexen Industrieanlagen. Besonders im Bereich der Smart Grids, also intelligenten Stromnetzen, dient die Technik als Rückgrat für den Datenaustausch zwischen Zählern und Energieversorgern.
Panasonic HD agiert hierbei primär als Lizenzgeber und stellt die IP-Cores für Halbleiter- und Gerätehersteller zur Verfügung. Dadurch können Drittanbieter die Nessum-Technologie in ihre eigenen Chipsätze integrieren, was die Verbreitung des Standards weiter fördert. Da die Technologie bereits in Millionen von Geräten verbaut ist, markiert die IEEE-Standardisierung eher die Bestätigung einer bereits etablierten Marktlösung als den Start eines völlig neuen Systems.
Bedeutung für den deutschen Markt
In Deutschland findet die Nessum-Technologie bereits Anwendung im Bereich der intelligenten Messsysteme, wo das Mannheimer Unternehmen PPC entsprechende Gateways für den Smart-Meter-Rollout anbietet. Während der Ausbau in Österreich mit einer Abdeckungsquote von 96,9 % bereits weit fortgeschritten ist, hinkt Deutschland mit einer Quote von rund 5,9 % bei den gesamten Messlokationen noch hinterher [116, 92]. Für deutsche Industriebetriebe bietet der neue Standard jedoch eine verlässliche Basis, um die gesetzlich geforderte Digitalisierung der Energienetze mit zertifizierter Hardware voranzutreiben.
Hintergrund
Die Entwicklung von Nessum durch Panasonic adressiert ein fundamentales Problem der modernen Industrie-Digitalisierung: die Vernetzung in Umgebungen, in denen herkömmliche Funkwellen oder Ethernet-Kabel an ihre physikalischen Grenzen stoßen. Da die Technologie auf dem Prinzip der Breitband-Powerline-Kommunikation (BPL) basiert, nutzt sie physikalische Leiter als Antennenersatz, was besonders in massiven Betonbauten oder metallisch abgeschirmten Anlagen von Vorteil ist. Durch die nun erfolgte Konsolidierung verschiedener Spezifikationen in den Standard IEEE 1901-2026 reagiert die Branche auf den Bedarf nach einer langfristig stabilen Technologie-Roadmap. In der Vergangenheit führten proprietäre Insellösungen oft zu hohen Investitionsrisiken, weshalb die offizielle Anerkennung durch die IEEE SA als entscheidender Schritt für die globale Akzeptanz gilt. Panasonic verfolgt dabei eine Strategie der technologischen Offenheit, indem das Unternehmen nicht nur fertige Produkte liefert, sondern die zugrunde liegenden IP-Cores für den gesamten Halbleitermarkt zugänglich macht.
Verfügbarkeit & Preis
Da Panasonic primär als Lizenzgeber der Nessum-IP-Cores fungiert, ist die Technologie nicht als einzelnes Endkundenprodukt, sondern integriert in Chipsätzen verschiedener Halbleiterhersteller verfügbar. Unternehmen wie PPC in Mannheim nutzen diese Basis bereits für ihre Smart-Meter-Gateways, die über spezialisierte Vertriebskanäle für Energieversorger und Industriekunden vertrieben werden. Panasonic nennt derzeit keinen pauschalen Preis für die Lizenzierung oder die LSI-Einheiten, da die Kosten stark von den Abnahmemengen und den spezifischen Integrationsanforderungen der Gerätehersteller abhängen. Für Projektplaner bedeutet dies, dass die Preisgestaltung individuell über die jeweiligen Systempartner und Komponentenhersteller erfolgt, die Nessum-kompatible Hardware anbieten. Da der Standard IEEE 1901-2026 nun offiziell verabschiedet ist, wird mit einer steigenden Anzahl an zertifizierten Modulen gerechnet, was die Markttransparenz und Vergleichbarkeit der Angebote in den kommenden Jahren weiter verbessern dürfte.
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