Die DJI Osmo Pocket 4P ist die erste Pocket mit zwei Kameras: 20 mm Weitwinkel und 60 mm Tele in einem Gimbalkopf, der in die Jackentasche passt. Wir haben die Kamera zwei Wochen im Alltag eingesetzt. Die Frage dabei: Ist die zweite Linse ein echtes Upgrade – oder ein Kompromiss, den man vor dem Kauf kennen sollte?
Transparenz: Für diesen Test haben wir die Kamera selbst gekauft. DJI hatte keinen Einfluss auf Testablauf oder Bewertung.
Bewertungshinweis: Für die Pocket 4P gibt der Hersteller keine Schutzart gegen Wasser an. Die in dieser Kategorie übliche Teilnote „Wasserdichtigkeit“ ist deshalb nicht anwendbar und fließt nicht in die Gesamtnote ein. Unterm Strich vergeben wir 4,2 von 5 Punkten.
Das Fazit vorweg
- Zwei echte Brennweiten: Hinter der Telelinse sitzt ein eigener, kleinerer Sensor. Die längere Brennweite verändert die Perspektive sichtbar.
- Starker Dynamikumfang: Der Hersteller gibt bis zu 17 Blendenstufen an. Bei Gegenlicht blieben Schatten offen und der Himmel brannte nicht aus.
- Haken beim Log-Profil: D-Log 2 funktioniert nur mit der Hauptkamera. Ausgerechnet die Telelinse bekommt das beste Profil nicht.
- Belichtungssprung beim Linsenwechsel: Mit fester ISO springt das Bild beim Umschalten sichtbar. Brennweite besser vor dem Take festlegen.
- Solide Akkulaufzeit: In 4K mit 60 Bildern kamen wir auf rund zwei Stunden – die Herstellerangabe gilt für 1080p/24 ohne Display und WLAN.
- Kleine Schwächen: Der Gimbal wird bei langen Läufen warm und klappert im eingerasteten Zustand leicht. Wasserdicht ist die Kamera nicht.
Preise und Varianten
Die Standard-Kombo kostet 599 Euro, die V-Log-Kombo 689 Euro. Für die 90 Euro Aufpreis liegen das Mic Mini 2, die Frame-Tap-Fernbedienung, ein Mini-Stativ und eine zweite Tasche bei. Wer alleine filmt, fährt mit der größeren Kombo in der Regel sinnvoller. Zum Vergleich: Die normale Pocket 4 startete bei 499 Euro, die Insta360 Luna Ultra bei 729 Euro.
In der Standard-Kombo liegen Kamera, ein kleines Fülllicht, ein Griff mit Stativgewinde und eine Tasche bei. Ein Netzteil gehört nicht dazu.
Preisstand: 23.09.2026. Preise können sich jederzeit ändern.
Zwei Kameras, ein Kopf
Äußerlich bleibt die Pocket 4P eine Pocket. Der Unterschied sitzt oben: ein Weitwinkel und eine Telelinse, beide mit eigenem Sensor. Gleichzeitig nehmen sie nicht auf – die Kamera wechselt je nach Zoomstufe.
Im Weitwinkel steckt man mitten in der Szene, ideal für Vlogs und alles, wo viel Umgebung ins Bild soll. Mit der Telelinse rückt der Hintergrund näher, das Bild wirkt ruhiger und das Motiv hebt sich ab. Der Hersteller gibt für die Telelinse F1.8 an, sagt aber selbst, dass die Unschärfe etwa F6.3 im Vollformat entspricht. Cremiges Bokeh wie bei einer großen Kamera gibt es also nicht – eine sichtbare Trennung vom Hintergrund aber schon. Praktisch: Mit der Telekamera kommt man nah an Objekte heran, fast makroähnliche Detailaufnahmen sind möglich.
Der Preis dafür ist Gewicht. Der Hersteller nennt 230 g, die normale Pocket 4 liegt bei rund 190 g. Die Kamera liegt weiterhin gut in der Hand, das Mehrgewicht sitzt aber spürbar oben im Kopf.
Wo es im Alltag hakt
Bei zwölffachem Zoom wird stark in den Sensor gekroppt, die Qualität ist dann nicht mehr sauber – das ist eher eine Notfalloption. Deutlicher fällt der Linsenwechsel auf: Wer mit fester ISO filmt, sieht beim Sprung von einfach auf dreifach einen klaren Belichtungsunterschied. Mit automatischer Belichtung fällt das kaum auf, manuell springt das Bild sichtbar. Praktischer Rat: die Brennweite vor dem Take wählen, statt mitten in der Aufnahme umzuschalten.
Das Tracking arbeitet mit beiden Kameras. Zweimal aufs Display tippen, und die Pocket folgt einer Person oder einem Objekt – auf dem Stativ bleibt das Framing damit erhalten, auch wenn man sich bewegt.
Bildqualität, Dynamik und D-Log 2
Der Hersteller verspricht für die Hauptkamera bis zu 17 Blendenstufen Dynamikumfang. Im Alltag heißt das: Bei Gegenlicht und wechselnder Bewölkung bleiben Schattendetails erhalten, ohne dass der Himmel ausbrennt. Ausreizen lässt sich das mit D-Log 2, dem neuen 10-Bit-Log-Profil. Das Material sieht zunächst flach und blass aus, liefert in der Farbkorrektur aber deutlich mehr Spielraum. Damit man beim Filmen trotzdem das fertige Bild abschätzen kann, lässt sich auf dem Display eine Rec-709-Vorschau einblenden.
Der Haken: D-Log 2 läuft nur mit der Hauptkamera. Beim Wechsel auf die Telekamera erscheint eine Meldung, das Profil muss angepasst werden. Ausgerechnet die für Porträts spannendste Linse bekommt das beste Log-Profil also nicht. Wir haben uns beholfen, indem wir die frei belegbare C-Taste auf den direkten Wechsel zwischen den Profilen gelegt haben – das erspart den Weg ins Menü, ein Firmware-Update wäre hier trotzdem wünschenswert.
Bei der Bitrate nimmt die Pocket 4K mit bis zu 180 Mbit/s auf. Bei Feintexturen wie Laub bleibt das Bild dadurch sichtbar stabiler als bei niedrigeren Bitraten. Im normalen Videomodus sind 4K mit bis zu 60 Bildern möglich; für mehr muss man in den Zeitlupenmodus, dort schafft die Hauptkamera 4K mit 240 Bildern.
Bedienung und Gimbal
Die Zoom-Taste schaltet mit einem Druck auf die Telekamera und wieder zurück, zweimal drücken bringt sechsfach, gedrückt halten zwölffach. Daneben sitzt die frei belegbare C-Taste. Eine Timecode-Funktion ist an Bord, die sich einfach über die Uhrzeit setzen lässt. Display drehen schaltet die Kamera ein, der SD-Slot hat jetzt eine kleine Klappe, und hinten am Gimbal lässt sich Zubehör magnetisch anstecken.
Der Gimbal kennt drei Modi: Folgemodus, gesperrte Neigung (nur links und rechts) und FPV mit freien Achsen. Zweimal auf den Joystick drücken richtet die Kamera wieder gerade aus. Das fühlt sich anfangs ungewohnt an, sitzt nach kurzer Zeit aber.
Akku, Wärme und Einsatzgrenzen
Der Hersteller nennt bis zu 200 Minuten Laufzeit – gemessen bei 1080p mit 24 Bildern, ausgeschaltetem Display und ohne WLAN. In 4K mit 60 Bildern sind es realistisch rund 120 bis 130 Minuten. In zwei Wochen Nutzung hatten wir keine Akkuprobleme; wer lange Interviews oder ganze Events filmt, sollte den optionalen Akkugriff einplanen.
Bei längerem Betrieb wird der Gimbal spürbar warm – naheliegend, weil der schwerere Kopf dauerhaft mehr Arbeit macht. Im eingerasteten, ausgeschalteten Zustand klappert der Gimbal leicht, das wirkt weniger hochwertig als der Rest.
Hochformat geht: Display umklappen, auf „Weiter“ tippen, fertig. Allerdings bekommt man einen 3K-Crop und kein echtes Hochkantbild in voller Auflösung. Und: Die Pocket 4P ist nicht wasserdicht. Die kleine SD-Klappe schützt den Slot etwas, bei Regen oder am Strand ist trotzdem Vorsicht angesagt.
Marktumfeld: Insta360 Luna Ultra
Die Insta360 Luna Ultra lag uns nicht vor, deshalb nur ein Blick aufs Datenblatt: Sie filmt bis zu 8K mit 30 Bildern, die Pocket maximal 4K. In 4K hat die Pocket dafür die stärkere Zeitlupe, denn die Luna schafft dort laut Insta360 120 Bilder. Die Luna verteilt ihre 8K auf maximal 120 Mbit/s, die Pocket bietet in 4K bis zu 180 Mbit/s – ob man das im Bild sieht, können wir ohne eigenes Testgerät nicht beurteilen.
Ein Vorteil der Luna ist das abnehmbare Display für Soloaufnahmen. Die Pocket antwortet darauf mit dem Frame Tap, einem separaten Gerät, das nur in der Vlog-Kombo enthalten ist. Damit lassen sich Livebild sehen, Gimbal steuern, Aufnahme starten und stoppen sowie zwischen den Linsen wechseln. Preislich startet die Luna Ultra bei 729 Euro.
Für wen lohnt sich die DJI Osmo Pocket 4P?
Die Pocket 4P passt zu allen, die bewusst mit zwei Brennweiten arbeiten wollen – für Porträts, Interviews oder makroähnliche Detailaufnahmen – und die den maximalen Dynamikumfang der Hauptkamera über ein Log-Profil ausreizen. Wer vor allem sich selbst aus kurzer Distanz oder Landschaften filmt, ist mit der normalen Pocket 4 besser bedient und spart rund 100 Euro.
Fazit
Die zweite Linse ist mehr als ein Marketingpunkt: Sie verändert die Bildsprache und macht die Pocket 4P zur ersten Pocket, mit der sich Porträts und Details sauber vom Hintergrund lösen lassen. Dazu kommen ein hoher Dynamikumfang, 180 Mbit/s in 4K und ein Gimbal, der im Alltag zuverlässig arbeitet. Die Einschränkungen sollte man vorher kennen: D-Log 2 bleibt der Hauptkamera vorbehalten, der Linsenwechsel springt bei fester ISO sichtbar, der Gimbal wird warm und klappert im Ruhezustand, Hochformat gibt es nur als Crop, wasserdicht ist die Kamera nicht. Für uns ist die Pocket 4P damit eine richtig starke Kamera mit ein paar kleinen Kompromissen.

