Kurzflorteppich, Dreck bewusst eingearbeitet, ein Zug im niedrigsten Modus – und fast alles ist weg. Genau dieser Moment beschreibt den JIMMY H10 Flex ziemlich gut. Der Akku-Stielstaubsauger verspricht 245 Air Watt Saugleistung, bis zu 80 Minuten Laufzeit und ein Zubehörpaket, das andere Hersteller einzeln verkaufen. Wir haben ihn auf Teppich, Linoleum und Hochflor getestet, die Laufzeiten in allen vier Modi nachgemessen und die Lautstärke geprüft. Und wir haben genau die Stelle angeschaut, an der viele Akkusauger im Alltag scheitern: das Entleeren.
Transparenzhinweis: Der JIMMY H10 Flex wurde uns von Zigbuy kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf Testablauf, Messwerte und Bewertung hatte das keinen Einfluss.
Lieferumfang und Verarbeitung
Der Karton ist ungewöhnlich voll gepackt. Mit dabei sind eine Bodendüse mit wechselbarer Gummiwalze, eine Mini-Bodendüse, eine lange flexible Fugendüse mit LED an der Spitze, eine Fugendüse mit Borstenaufsatz, eine Saugbürste, ein flexibles Gelenkstück, die Saugstange, eine Wandhalterung sowie Akku und Netzteil. Praktisch heißt das: Zubehör muss man hier nicht nachkaufen, was bei vielen Mitbewerbern extra kostet, liegt bereits bei. Die Verarbeitung wirkt solide, unser Testgerät hatte lediglich ein paar oberflächliche Kratzer an der Gelenkstange. Die Bodendüse rollt auf kleinen gummierten Rädern und lässt sich damit auch auf empfindlichem Parkett bedenkenlos schieben. Einen kleinen Minuspunkt gibt es beim Laden: Der Akku wird über einen eigenen Netzstecker geladen, nicht über USB-C – bei einem Gerät dieser Größe allerdings üblich.
Handling im Alltag
Das Gerät sieht futuristisch aus und liegt gut in der Hand, doch mit knapp 3 Kilogramm ist es kein Leichtgewicht. Als Stielsauger fällt das kaum auf, weil sich das Gewicht auf die Stange verteilt. Als Handsauger merkt man es dagegen deutlich: Nach rund zehn Minuten Über-Kopf-Arbeiten wird der Arm schwer, auch wenn zwei Griffpositionen vorn und hinten einiges abfedern. Frei stehen kann der H10 Flex nicht – lässt man ihn los, kippt er um, man muss ihn also anlehnen oder ablegen. Von Raum zu Raum heißt das: immer tragen.
Bedienung, Modi und Display
Eine Anleitung braucht man für die Inbetriebnahme nicht. Es gibt genau zwei Tasten – Power und Moduswechsel –, Akku einsetzen, einschalten, los geht es. Vier Modi stehen bereit: Eco, Auto (regelt die Leistung selbstständig hoch und runter), Turbo und Max, wobei Turbo nur minimal unter Max liegt. Die LED an der Bodendüse ist tagsüber praktisch wirkungslos, abends dagegen hilfreich – darauf verlassen sollte man sich bei Tageslicht nicht. Richtig gut gelöst ist das Display: Es zeigt keine Prozentangabe, sondern die verbleibenden Minuten. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist im Alltag aber deutlich präziser, weil man bei acht angezeigten Minuten sicher weiß, ob der Flur noch drin ist.
Saugleistung im Test
Der erste Test lief auf kurzflorigem Teppich, in den grober Schmutz mit Schuhen eingearbeitet wurde – eine Bahn im Eco-, eine im Max-Modus. Das überraschende Ergebnis: Schon im Eco-Modus war nach einem Zug nahezu alles verschwunden, Max legte nur noch marginal nach. Beim anschließenden Feinstaub-Durchgang zeigte sich dasselbe Bild, auch hier holte der Eco-Modus mit der Bürstwalze den feinen Staub sehr gründlich heraus. Für den Auto-Modus haben wir zwei unterschiedlich große Schmutzhaufen ausgestreut: Das Gerät regelte jeweils kurz hoch, hielt das Tempo und nahm auch den größeren Haufen in einem Zug auf. Auf Linoleum mit feinem Staub und einem groben Steinhaufen gelang ebenfalls alles in einem Durchgang – bemerkenswert ist, dass die Steine nicht vor der Düse hergeschoben wurden, was bei vielen teureren Geräten passiert. Der Spaltabstand der Düse ist groß genug für groben Dreck, und genau daran scheitern etliche bekanntere Marken.
Die Schwäche: Hochflor und lange Teppichfasern
Auf Teppich und Linoleum ist der H10 Flex ein kleiner Held, auf Langhaar- und Hochflorteppich wird es dagegen zäh. Die Borstenwalze ist dafür ungeeignet: Nach wenigen Zentimetern verfangen sich die Fasern, die Walze blockiert und der Sauger schaltet automatisch ab. Auch der Wechsel auf die Gummiwalze brachte nur wenige Zentimeter mehr, bevor derselbe Effekt eintrat. Erst die Mini-Bodendüse kam durch, weil ihre rotierende Walze etwas höher sitzt – nach mehrmaligem Überfahren waren rund 90 bis 95 Prozent des Schmutzes heraus. Der Walzenwechsel selbst ist am Anfang fummelig: Man zieht den gelben Schalter an der Seite, ein kleines Teil springt heraus, dann lässt sich die Bürste entnehmen – manchmal hakt es dabei. Hochflor geht also, aber nur mit spürbarem Aufwand.
Flexibilität und Zubehör
Was der H10 Flex wirklich beherrscht, ist Flexibilität. Ein Knopfdruck an der Stange lässt diese um 90 Grad abknicken, damit kommt man ohne Bücken unter flache Möbel. Hebt man das Gerät wieder an, klappt die Stange von selbst zurück, ohne dass der Saugvorgang unterbrochen werden muss. Die lange flexible Fugendüse mit LED erreicht Bereiche hinter Schränken zuverlässig, für Flächen ist wegen der Flexibilität aber die kurze Düse mit Borsten die bessere Wahl. Das ansteckbare Gelenk für die Saugbürste ist in Kombination mit der Stange nützlich, um Staub an Stellen zu entfernen, für die man sonst eine Leiter bräuchte.
Akkulaufzeit und Lautstärke – gemessen
Beim Akku liefert JIMMY ab. Voll geladen zeigt das Display im Eco-Modus rund 95 Minuten an, und realistisch erreicht wurden 90 bis 95 Minuten. Im Auto-Modus bleiben 38 Minuten, im Turbo-Modus 34 Minuten, im Max-Modus nur noch 10 bis 11 Minuten. Für eine Dreiraumwohnung reicht das in einem Durchgang locker – solange man nicht durchgehend im Max-Modus arbeitet. Geht der Akku zur Neige, sperrt das Gerät den Max-Modus automatisch, was sinnvoll ist, weil die Leistung dann ohnehin nicht mehr anliegt. Geladen wird über ein eher schwaches Netzteil, von 0 auf 100 Prozent dauert es rund 4 bis 5 Stunden – ein Zweitakku wäre hier die naheliegende Ergänzung. Bei der Lautstärke weicht die Praxis von der Herstellerangabe ab: JIMMY nennt unter 82 Dezibel, gemessen haben wir 77 dB im Eco-, 79 dB im Auto-, 81 dB im Turbo- und 89 bis 90 dB im Max-Modus.
Der Knackpunkt: das Entleeren
Bis hierhin liest sich der Test sehr positiv, doch beim Entleeren kippt der Eindruck. Die Filtereinheit besteht aus vier Teilen, die einzeln ausgeklopft, auseinandergebaut und wieder zusammengesteckt werden müssen – und zwar jedes Mal. Milben, Hausstaub und alles andere Eingesaugte landen dabei an den Fingern und in der Luft. Im mittleren HEPA-Filter setzen sich Partikel zusätzlich fest, die man mit dem Finger nachhelfend lösen muss. Unser klarer Tipp: nur draußen an der Tonne entleeren, sonst holt man sich den Staub direkt wieder in die Wohnung. Angenehm ist die Prozedur allerdings auch im Freien nicht.
Reality Check zum Marketing
Auf dem Karton verspricht JIMMY "One Click Dust Removal" und saubere Hände. Nach dem, was wir im Test gesehen haben, ist das schlicht Marketing – die Realität sieht anders aus. Das hat Folgen für den Alltag: Nach ein- bis zweimaligem Entleeren sinkt die Lust, das Gerät überhaupt in die Hand zu nehmen. Ein Sauger mit hervorragender Saugkraft, den man am Ende trotzdem stehen lässt, verfehlt seinen Zweck. Auch die beworbenen 80 Minuten sind nur im durchgehenden Eco-Modus erreichbar, und die LED-Beleuchtung ist tagsüber nahezu nutzlos.
Für wen lohnt sich der JIMMY H10 Flex?
Das Ass des H10 Flex ist die rohe Saugkraft, die selbst im Eco-Modus überzeugt und dabei deutlich teurere Markengeräte hinter sich lässt. Dazu kommt ein komplettes Zubehörpaket, und das alles für rund 299 Euro – das ist eine Ansage in dieser Klasse. Wer Hartboden und kurzflorigen Teppich hat und Saugkraft ohne Dyson-Preis sucht, ist hier genau richtig. Wer überwiegend Hochflor oder langhaarige Teppiche reinigen muss, sollte dagegen die Finger davon lassen. Und wer einen wartungsarmen Sauger ohne Filter-Gefummel will, schaut besser in Richtung Modelle mit Absaugstation.

