Knapp 1.000 Euro für einen Saug- und Wischroboter, der für eine markierte Fläche von zwei mal zwei Metern rund zehn Minuten braucht – das ist die Ausgangslage unseres zweiwöchigen Praxistests. Der Shark PowerDetect UV Reveal tritt mit einem Feature an, das kein Konkurrent in dieser Form bietet: einem UV-Licht, das eingetrocknete, mit bloßem Auge kaum sichtbare Flecken auf Hartböden aufspüren soll. Auf dem Papier klingt das nach einem Argument für den Premiumpreis. Im Alltag entscheidet aber nicht die Idee, sondern die Umsetzung – und genau da trennt sich beim Shark die Spreu vom Weizen. Wir haben ihn ausgepackt, eingerichtet, auf Teppich und Hartboden getestet und auf Tempo, Navigation und Wischleistung abgeklopft.
Transparenz: Shark hat uns den PowerDetect UV Reveal 2-in-1 Saug- und Wischroboter kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt. Auf unsere Bewertung hat das keinen Einfluss – der Hersteller hat den Test erst nach Veröffentlichung gesehen.
Das solltest du wissen
- Wischen ist die Stärke: Die beworbene Schrubbkraft ist keine reine Marketingzahl – eingetrocknete Flecken verschwinden zuverlässig.
- Tempo als größte Schwäche: Ein kleiner Raum kostet 30 bis 45 Minuten, die Küche laut App rund 65 Minuten.
- Teppich bleibt Problemzone: Grobes Korn und Haare gehen weg, eingearbeiteter Feinstaub bleibt liegen.
- Keine manuelle Steuerung: Nur Automatik und Flächenauswahl – kein Joystick-Modus wie bei Xiaomi oder Roborock.
- Bauhöhe 11 cm: Mit Turm braucht das Möbelstück mindestens 11,5 bis 12 cm Freiraum.
Auspacken & erste Einrichtung
Beim Auspacken macht der Shark alles richtig. Die Verpackung ist sauber strukturiert, die beiden Tanks sind eindeutig getrennt – blauer Henkel für Frischwasser, schwarzer Henkel für Schmutzwasser. Der Frischwassertank fällt größer aus, in der Praxis heißt das: Den Abwassertank musst du häufiger kontrollieren als den Frischwasserbehälter. Im Lieferumfang liegen zusätzlich ein Duftbehälter, zwei rotierende Ersatzbürsten und die Shark-Reinigungslösung für das Frischwasser bei. Für knapp 1.000 Euro fühlt sich das Gerät beim ersten Kontakt tatsächlich wie ein Produkt dieser Preisklasse an – nur hält der Roboter später weniger, als dieser erste Eindruck verspricht.
Ohne Konto und App geht nichts, was bei einem Smart-Home-Gerät zwar Standard, aber trotzdem lästig ist. Die Kopplung selbst ist simpel: WLAN-Taste drücken, Sprachansage abwarten, App folgen. An einer Stelle wird es allerdings ärgerlich. Tippst du das WLAN-Passwort falsch ein, meldet die App nicht etwa "Passwort falsch", sondern fordert dich auf, den Router neu zu starten, weil ein interner Fehler aufgetreten sei – du suchst den Fehler also an der völlig falschen Stelle. In unserem Fall hing die Einrichtung anschließend erneut, obwohl die Akkuanzeige 50 Prozent zeigte; tatsächlich war die Ladung zu niedrig für die Ersteinrichtung. Auch hier bleibt die App stumm und dreht minutenlang das Ladesymbol bei "Verbindung wird hergestellt".
Lade den Roboter vor der Ersteinrichtung einmal vollständig auf. Ein Großteil der Verbindungsprobleme im Test ging auf einen zu niedrigen Akkustand zurück – ohne dass die App darauf hingewiesen hätte.
Navigation & Kartierung
Auf glattem Hartboden fährt der Shark ordentlich und findet planvoll seine Bahnen. Sobald es eng wird, gerät er jedoch ins Straucheln: In unserer Küche verlor er die Orientierung zur Station und drehte rund zehn bis 15 Minuten Kreise um ein Stuhlbein, ohne den Ausweg zu finden. Die Kartierung erfasst die komplette Wohnung am Stück, dafür müssen aber vorher alle Türen offen stehen. Einen einzelnen Raum nachträglich zu kartieren, ist nicht vorgesehen – du musst die gesamte Karte neu anlegen. Hinzu kam ein handfester Bug: Die von uns gesetzte Sperrzone wurde spiegelverkehrt übernommen, sodass der Roboter genau die Fläche befuhr, die er meiden sollte.
Besonders schmerzt das Fehlen einer manuellen Steuerung. Du kannst lediglich ein Quadrat auf der Karte markieren und den Roboter dorthin schicken, aber ihn nicht per Fernsteuerung durch die Wohnung fahren. Wer das von Modellen von Xiaomi oder Roborock kennt, wird diese Kontrolle hier deutlich vermissen. Für Nutzer, die den Roboter einfach laufen lassen und sich nicht kümmern wollen, ist das verschmerzbar. Wer aber gezielt eine Stelle nachreinigen will, steht vor einer unnötigen Hürde.
Saugleistung im Praxistest
Für den Saugtest haben wir auf Teppichboden drei Verschmutzungen ausgelegt: Feinstaub, kleine Steinchen und Haare. Steinchen zieht der Shark sauber weg, Haare nimmt er ebenfalls zuverlässig auf – bis hierhin gibt es nichts zu bemängeln. Der Feinstaub dagegen wird nur mittelmäßig eingesaugt, und nachdem wir ihn mit den Fingern in den Teppichflor eingearbeitet hatten, mussten wir mit einem klassischen Staubsauger nachlegen. Positiv fällt die rotierende Bürste auf: Sie holt Schmutz aus Ecken und Kanten nach vorne und zieht Körner regelrecht zu sich heran, was auf Hartboden sehr gut funktioniert. Unterm Strich ist die Saugkraft auf Teppich für diese Preisklasse schlicht zu schwach.
Das zweite große Thema ist das Tempo. Ein kleiner Raum kostet den Shark 30 bis 45 Minuten, eine markierte Fläche von maximal zwei mal zwei Metern rund zehn Minuten. Für die Küche prognostizierte die App etwa 65 Minuten Reinigungszeit. Bist du tagsüber ohnehin außer Haus, spielt das kaum eine Rolle – der Roboter arbeitet dann eben in Ruhe vor sich hin. Willst du dagegen kurz vor dem Besuch schnell durchsaugen, kannst du das vergessen. In dieser Disziplin ist der PowerDetect UV Reveal der langsamste Premium-Roboter, den wir bislang getestet haben.
Wischen: die positive Überraschung
Beim Wischen dreht sich das Bild komplett. Der Shark reinigt Hartböden wirklich sauber, und die beworbene, bis zu siebenfache Schrubbkraft ist keine leere Zahl. Trifft er auf einen eingetrockneten Fleck, fährt er hin, setzt die Wischplatte auf und schrubbt so lange vor und zurück, bis der Fleck verschwunden ist – das funktionierte in unserem Test reproduzierbar. Der Haken: Der Boden ist danach deutlich nasser als nach dem Wischen von Hand, und zwar flächendeckend, nicht nur an den behandelten Stellen. Du solltest den Boden also trocknen lassen, bevor du wieder durchläufst.
Verlässlich läuft der Ablauf allerdings nicht immer. Im zweiwöchigen Test blieb der Roboter mehrfach mit einem Fehler stehen. Einmal hatten wir Saugen und Wischen gleichzeitig ausgewählt; beim Ausfahren meldete er einen Fehler, wir mussten den Auftrag erneut bestätigen – und anschließend saugte er nur noch, ohne zu wischen. Solche Aussetzer sind bei einem Gerät dieser Preisklasse ärgerlich, zumal die App auch hier keine verständliche Erklärung liefert.
UV Reveal: Nischentrick statt Gamechanger
Das namensgebende UV-Licht soll versteckte Flecken sichtbar machen und den Roboter gezielt einen Wischvorgang starten lassen. Ob es tatsächlich mehr erkennt als das bloße Auge, ließ sich in unserem Alltagstest nicht sauber isolieren. In Tests der Fachpresse funktioniert der Mechanismus grundsätzlich: Das Licht spürt eingetrocknete Flecken auf Hartböden auf und triggert eine gezielte Reinigung. Deutsche Tester stufen den Alltagsnutzen jedoch als praktisch wirkungslos ein – ein Nischentrick, der kein besseres Grundputzen ersetzt. Zuverlässig klappt dagegen die Teppicherkennung, nur nützt das wenig, wenn die Saugkraft auf Teppich ohnehin schwächelt.
Maße & Möbelfreiheit
Mit aufgesetztem Turm misst der Roboter rund elf Zentimeter in der Höhe bei etwa 35 Zentimetern Durchmesser. Damit er sicher unter ein Möbelstück fährt, sollten mindestens 11,5 bis besser zwölf Zentimeter Freiraum vorhanden sein. Unter den meisten Betten passt er damit locker durch. Flache Sofas sind dagegen häufig zu niedrig für den Turm – ein Flachmann ist der Shark ausdrücklich nicht. Miss vor dem Kauf also die kritischen Stellen in deiner Wohnung aus.
Station & Hygiene
Ein echtes Highlight ist die Station. Wasserwechsel, Waschen und Trocknen der Wischplatte gehören zum Besten, was Shark derzeit baut, und laufen ohne Zutun ab. Die automatische Staubentleerung funktionierte im Test zuverlässig, sodass sich der Wartungsaufwand im Alltag auf das Nachfüllen von Frischwasser und das Leeren des Schmutzwassertanks beschränkt. Für Nutzer, die sich möglichst wenig kümmern wollen, ist das ein starkes Argument. Das Gesamtbild rettet die gute Station allerdings nicht.
Fazit
Der Shark PowerDetect UV Reveal ist ein Roboter mit klarem Profil: Er wischt hervorragend, seine Station ist erstklassig, und gelegentlich findet er tatsächlich Flecken, die man selbst übersehen hat. Dem stehen deutliche Schwächen gegenüber – extrem langsames Arbeitstempo, Orientierungsverlust in engen Räumen, eine schweigsame App ohne verwertbare Fehlermeldungen, eine spiegelverkehrte Sperrzone und keine manuelle Steuerung. Auch beim Zubehör fehlt Zeitgemäßes: keine ausfahrbare Seitenbürste für Ecken, statt Wischwalze oder rotierender Mopps nur eine vibrierende Platte. Bei knapp 1.000 Euro ist das schwer zu rechtfertigen, denn günstigere Konkurrenten liefern in Summe mehr.
Passt er trotzdem zu dir? Wenn du überwiegend glatte Böden hast, tagsüber selten zu Hause bist und dich um nichts außer das Wasser kümmern willst, ist der Shark eine solide Wahl. Hast du dagegen viel Teppich, Haustiere oder willst echte Kontrolle über deinen Roboter, bekommst du für weniger Geld schlicht bessere Geräte.


