Die DJI Osmo Nano passt in jede Hosentasche und hat trotzdem einen größeren Sensor als die direkte Konkurrenz. Aber: Die 90 Minuten Akku, mit denen DJI wirbt, gelten nur in 1080p – und in 4K wird die Kamera heiß und schaltet sich teils ab. Ist die Nano also die Kamera, die man immer dabei hat, oder eine, die man ständig laden muss?
Transparenz vorweg: Wir haben die DJI Osmo Nano mit eigenem Geld gekauft, und zwar die Standard-Combo mit 128 GB internem Speicher. Das komplette Video zum Test findest du oben auf dieser Seite.
Das Fazit vorweg
- Echte Hosentaschen-Kamera: federleicht, magnetisch, überall schnell befestigt.
- Starkes Bild für die Größe: 1/1,3-Zoll-Sensor wie in der größeren Osmo Action 5 Pro, 4K mit bis zu 60 fps, Zeitlupe in 4K mit 120 fps.
- Sehr gute Stabilisierung, solider, aber kein überragender Dynamikumfang.
- Schwachpunkte: In 4K/60 nur rund 60 Minuten Laufzeit, Hitzeabschaltungen bei Dauerbetrieb, Laden nur über das Dock.
Konzept: Kamera plus Dock
Die Nano besteht aus zwei Modulen: oben die eigentliche Kamera, unten ein Dock mit Display, das magnetisch andockt. Laut DJI wiegt die Kamera allein 52 g, das Dock 72 g.
Das Display lässt sich abnehmen und umdrehen. Zeigt es nach vorne, hast du eine kleine Vlogging-Kamera und siehst dich selbst im Bild. Getrennt von der Kamera dient das Dock als Fernbedienung mit Live-Vorschau – die Verbindung lief im Test zuverlässig, du siehst jederzeit das Framing. Aufnahmen lassen sich außerdem per Kopfnicken oder Doppeltippen starten.
Magnetsystem und Zubehör
Im Karton liegen:
- eine Magnetkette für den Hals – die Kamera haftet vorne an der Brust,
- ein Clip für Cap oder Rucksack,
- eine Kugelgelenkhalterung mit Saugnapf für glatte Flächen wie Fenster,
- eine Schutzhülle für die Kamera.
Weil die Kamera selbst magnetisch ist, hält sie auch an allem aus Metall – Sportgeräten, Heizkörpern, sogar am Kühlschrank. Gut gelöst: Die Riffelung für Daumen und Zeigefinger sorgt für sicheren Halt in der Hand, und das Glasschutzcover vor der Linse ist abschraubbar. Ist es verkratzt, tauschst du nur das Cover statt die ganze Kamera.
Praxistipp: Häufiges An- und Abclipsen kann auf Dauer den Schirm deiner Cap beschädigen – nimm also besser nicht deine Lieblingscap.
Bildqualität: Einstellungen, die du kennen solltest
Im normalen Modus filmt die Nano in 4K mit bis zu 60 fps im 16:9-Format. Im 4:3-Format nutzt sie mehr Sensorfläche und liefert mehr Bild nach oben und unten, dann aber mit maximal 50 fps. Tipp: Lass beim 4:3-Framing oben und unten Luft, wenn du im Schnitt noch nachjustieren willst. Für Zeitlupen gibt es 4K mit 120 fps.
Bei den Farbprofilen ist ab Werk 8 Bit aktiv – das solltest du als Erstes auf 10 Bit umstellen, damit das Material beim Bearbeiten mehr aushält. Wer maximalen Dynamikumfang will, nimmt D-Log M. Das Bild wirkt zunächst flach und grau und muss im Schnitt farbkorrigiert werden.
Der Haken: Die Nano bietet keine LUT-Vorschau. Andere DJI-Kameras wie die Osmo Pocket 4P können das. Filmst du in Log, siehst du auf dem Display nur das graue Bild – Belichtung und Farben richtig einzuschätzen, wird dadurch deutlich schwieriger. Weißabgleich und Belichtung lassen sich manuell oder automatisch einstellen.
Bei der Stabilisierung gibt es drei Stufen:
- Aus: größter Bildausschnitt.
- RockSteady: normale Stabilisierung, wahlweise mit extra weitem oder Standard-Sichtfeld.
- Horizon Balancing: hält den Horizont bis zu einer Neigung von etwa 45° gerade, schneidet dafür aber deutlich stärker ins Bild.
DJI nennt 13,5 Blendenstufen Dynamikumfang. Im Test fanden wir den Dynamikumfang solide, aber kein Wunder. Die Bildstabilisierung dagegen überzeugt – das deckt sich mit anderen Tests und Käuferbewertungen.
Speicher: 128 GB intern
Von den 128 GB sind rund 107 GB nutzbar. Du kannst also ohne microSD-Karte losziehen, für einen Tag reicht das je nach Aufnahmemenge locker. Wichtig: Der microSD-Slot im Dock dient nur zum Exportieren – direkt auf die Karte aufnehmen geht nicht.
Die Übertragung aufs Handy ging im Test sehr schnell. DJI nennt kabellos bis zu 80 MB/s, per Kabel bei der 128-GB-Version bis zu 600 MB/s.
Akku: Auf das Kleingedruckte achten
Auf der Verpackung stehen 90 Minuten für die Kamera allein und 200 Minuten mit Dock. Laut Kleingedrucktem gelten die Werte aber für Daueraufnahmen in 1080p mit 24 fps – der Wert mit Dock zudem nur mit ausgeschaltetem Display.
Unsere Messung:
| Modus | Laufzeit im Test |
|---|---|
| 1080p | rund 85 Minuten |
| 4K mit 60 fps | rund 60 Minuten |
Für einen Ausflug reicht das, für einen ganzen Tag ohne Nachladen nicht. Auch den Dock-Wert erreichst du mit eingeschaltetem Display und in 4K nicht.
Die gute Nachricht: Das Dock ist im Grunde eine Powerbank. Hängt die Kamera dran, ist sie in rund 20 Minuten bei etwa 80%. Kurze Pausen am Dock zwischen den Clips bringen also schnell wieder Akku.
Hitze: Das größte Problem in 4K
Filmst du in 4K mit 60 fps, wird die Nano heiß – vor allem in Innenräumen ohne Luftzug oder wenn sie gleichzeitig am Dock lädt. Die Folge: erst ein lautes Piepen, dann schaltet sich die Kamera ab; teilweise ließ sie sich danach nicht mehr richtig ausschalten. Das ist kein Einzelfall, ähnliche Berichte finden sich mehrfach in Foren. Wer lange am Stück in 4K filmen will, sollte Pausen einplanen und nicht erwarten, dass die Nano stundenlang durchläuft wie größere Actioncams.
Reality-Check: Was im Alltag nervt
1. Magnetkette: Der Magnet ist sehr stark und hält die Kamera fest. Trotzdem wackelte die Kamera schon bei normalen Bewegungen, beim Laufen waren die Aufnahmen kaum brauchbar. Tipp: Kette lieber unter dem Shirt tragen. 2. Nur Querformat am Clip: Der Clip an der Kette funktioniert nur quer. Für Reels oder TikTok im Hochformat brauchst du eine andere Lösung. 3. Wasser: Die Kamera ist laut DJI bis 10 m wasserdicht, das Dock aber nur spritzwassergeschützt (IPX4). Unter Wasser hast du also weder Display noch Zusatzakku – und musst daran denken, das Dock abzunehmen. 4. Laden nur über das Dock: Liegt das Dock zu Hause, kannst du die Kamera nicht laden. 5. Ton: Zwei DJI-Funkmikrofone lassen sich ohne Empfänger direkt koppeln. Dann funktioniert aber die getrennte Live-Vorschau am Dock nicht mehr. Beim Vloggen heißt es also: Live-Bild oder Funkmikrofon.
Vergleich: DJI Osmo Nano oder Insta360 GO 3S?
Die Insta360 GO 3S hatten wir nicht selbst im Test, der Vergleich beruht auf den Herstellerangaben.
| DJI Osmo Nano | Insta360 GO 3S | |
|---|---|---|
| Gewicht Kamera | 52 g | 39 g |
| Sensor | 1/1,3 Zoll | 1/2,3 Zoll |
| 4K-Bildrate | bis 60 fps | bis 30 fps |
| 4K-Zeitlupe | 120 fps | – |
| Akku Kamera (1080p, Herstellerangabe) | ca. 90 min | ca. 38 min |
| Akku mit Dock/Pod | 200 min | 140 min |
| Laden auf 80% | ca. 20 min | ca. 23 min |
| Ortung über Apple „Wo ist?" | – | ja |
Willst du die kleinste und leichteste Kamera mit Ortungsfunktion und ist dir die Bildqualität nicht ganz so wichtig, ist die GO 3S eine gute Option. Willst du das bessere Bild, 4K mit bis zu 60 fps und mehr Laufzeit ohne Dock, nimm die Nano.
Für wen lohnt sich die DJI Osmo Nano?
Kaufen, wenn du eine Kamera willst, die wirklich in die Hosentasche passt, überall magnetisch haftet und trotzdem gutes 4K-Material liefert.
Nicht kaufen, wenn du stundenlang am Stück in 4K filmen willst, die Kamera beim Laufen an der Brust tragen möchtest oder regelmäßig im Hochformat mit dem Clip filmen willst.
Für alle anderen ist die Nano ein sehr praktisches Gerät – die Ausrede, keine Kamera dabei zu haben, gilt damit nicht mehr.
Übrigens: Wir verlosen regelmäßig unsere Testprodukte. Das aktuelle Gewinnspiel findest du unter klarerkauf.de/gewinnspiele.
Technische Daten laut Hersteller: [DJI Osmo Nano Spezifikationen](https://www.dji.com/nano/specs).



